Fixer Punkt im Moment

Im Alltag funktioniere ich, erledige meine Aufgaben, gehe meinen Verpflichtungen nach, gönne mir was Gutes als Belohnung und mache weiter wie gewohnt. Innehalten und mich bewusst wahrnehmen? Dafür fehlt oft die Zeit. Auch Entscheidungen fälle ich nach der Notwendigkeit im Moment mit einem verhaltenen Blick in die Zukunft. Ich bewege mich zusehends in Lichtgeschwindigkeit in einem System voller Herausforderungen. Ich nehme sie wahr, handle nach meinem Sinn und es gelingt mir sogar, diese zu meistern. Dies hat soweit immer geklappt. Doch fehlt mir etwas. Weiterlesen

In einem parallelen Universum

In einem parallelen Universum ist mein Leben anders.

In einem parallelem Universum habe ich ein Buch veröffentlicht und schreibe gerade an einem weiteren.

In einem parallelem Universum habe ich die ganze Welt besucht und plane eine neue Reise.

In einem parallelem Universum mache ich gerade Karriere und jette von einer Sitzung zur anderen.

In einem parallelem Universum trage ich gerne hohe Schuhe und esse am Ende gar noch Sushi.

In einem parallelem Universum spreche ich viele Sprachen und lerne noch eine weitere hinzu.

In einem parallelem Universum bin ich Mutter vieler Kinder und mein Leben ist dadurch erfüllt.

In einem parallelem Universum trage ich meine Haare kurz… wohne ich in einer Metropole…  Weiterlesen

Die Bitterkeit der Selbstachtung

Während einer Bildreise befand sich eine Klientin ihrem Spiegelbild gegenüber. Um sich zu stärken, trank sie aus einer grünen Phiole mit der Aufschrift Selbstachtung. Ein bitterer Geschmack durchdrang sie. Ihr ganzer Körper zog sich zusammen. Stunden nach unserer Sitzung erreichte mich ein SMS von ihr, dass die Bitterkeit noch anhalte. Sie habe in der heutigen Sitzung die Einsicht gehabt, dass Bewusstsein im Selbst nichts ist ohne Achtung vor dem Selbst. Weiterlesen

Absichtliche Müdigkeit

Müdigkeit äussert sich bei Menschen auf verschiedene Arten. Die einen fühlen sich zwar müde, aber nicht gezwungen zu schlafen oder sich gar auszuruhen. Sie arbeiten einfach weiter, als wäre nichts. Andere wiederum fühlen sich müde, werden langsamer und träger, gedanklich wie ausführend, wenden sich innerlich ab und beschäftigen sich mehr mit sich selbst als mit der Aussenwelt. Wieder andere schotten sich bei Müdigkeit ab, wollen nicht reden, nicht handeln, nicht denken. Sie schlafen dann, ruhen sich aus, gehen sinnigen wie weniger sinnigen Beschäftigungen nach. Sie lassen auch mal die Seele baumeln. Jedem so, wie ihm der Sinn steht. 

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Wert erkennen, nicht schätzen!

Wir reden von Anerkennung und gleichzeitig reden wir von Wertschätzung. Besser gesagt, wir übernehmen hier das Gedankengut von Abraham Harold Maslow (amerikanischer Psychologe und Mitgründer der humanistischen Psychologie, geb. 1. April 1908, gest. 8. Juni 1970). Mit seiner Bedürfnispyramide hat er unser Denken revolutioniert. Er setzt allerdings voraus, dass der Mensch das nächsthöhere Bedürfnis nicht decken kann, solange es nicht, das vorgängige befriedigt hat. Dies hat heute noch seine Berechtigung. 

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Zwischenleben in Zwischenwelten

Wer kennt das nicht: Ich gehe müde zu Bett. Weiss, dass ich vieles geleistet habe und sehne mich nach dem Schlaf, weil ich weiss, dass ich morgen wieder viel leisten werde. Das weiss ich wiederum, weil meine Agenda bereits vollgespickt ist mit mir bevorstehenden Leistungen. Meine Agenda diktiert mir den zu meisternden Tagesablauf. Anhand der Leistung verdiene ich Wertschätzung, bin erfolgreich und zähle zu einer bestimmten Welt: die Welt der Erfolgreichen, die Welt der Leistenden, die Welt der Strebenden. Diese Aufzählung liesse sich endlos weiterführen. 

Doch es bleibt nur eine Welt zwischen anderen; in ständiger Veränderung. Weiterlesen

Die Regeln der Irritation

Eingebettet in meinem Weltbild wähne ich mich in Sicherheit. Ich weiss, was mich erwartet, wie es mich erwartet und wie es zu enden hat. Alle meine Tassen scheinen im Schrank am genau richtigen Platz zu stehen, geordnet nach Wert, Alter, Nutzung, Grösse und Farben.   

Es würde mir nicht in den Sinn kommen, diese Ordnung zu stören. Diese Ordnung gibt mir die Gewissheit, dass ich den Regeln und Normen entspreche. Ja, was für ein gutes Gefühl, wenn alles in Ordnung ist. Ich kann mich abends beruhigt ins weiche Bett meiner Wahrheit legen, denn meine Tassen stehen in meinem Schrank nach meinen Regeln in meiner Ordnung.

Mitten in der Nacht reisst mich die Irritation aus meinen gerechten Schlaf. Weiterlesen

Vom Entscheid zum Entschluss

Auf den ersten Blick sind diese Worte Synonyme. Wir kennen diese Worte, wir setzen Sie sachgemäss synonym ein. Auch Altmeister Kluge nennt zuerst deren ureigene Bedeutung und danach führt er diese zwei Worte wieder zusammen (vgl. 2002, 24., durchgesehene und erweiterte Auflage). Unsere Sprache verändert sich, wir verändern uns. Und doch: nenne ich in meiner Praxis Fragen mit dem Wort entscheiden und dessen Abstrakta, so scheint der Klient immer eine Antwort zu haben. Weiterlesen

Bilder, die leiten

Ich spreche hier nicht von Symbolen.

Ich spreche hier nicht von Visionen. 

Ich spreche hier nicht von Träumen. 

Ich spreche hier von Bildern, die ansprechen, ohne dass wir auf Anhieb wissen, welche Sprache sie sprechen. Das Bild in seiner Anmut, das tief in uns etwas zu bewegen vermag, dessen wahren Namen wir jedoch vergessen hatten. Das Bild, das etwas weckt, das wir schon vor langer Zeit in tiefen Schlummer entsandt haben. 

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Von Mustern und Ringen

„Es ist mal wieder an der Zeit, einen Blog zu schreiben.“

Schon wieder mittendrin in einem Verhaltensmuster, geleitet von einem Glaubenssatz. Schon war das Thema für diesen Blog gefunden. 

Verhaltensmuster geben den Handlungen Ordnung und den Gedanken die Form unseres Weltbildes, das wir ständig neu erfinden, anpassen und zeitweise erweitern.

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Begegnung mit dem Widerspruch

Jean Piaget (1896-1980, schweiz. Erziehungswissenschaftler und Verhaltensforscher) sagte: Die Intelligenz organisiert die Welt, indem sie sich selbst organisiert. 

Die Theorie hinter Piagets These nennt sich kognitive Adaption und vereint die Aspekte der Assimilation, der Akkommodation und der Äquilibration. Grundsätzlich nehmen wir die Einflüsse der Umwelt nicht nur wahr; diese Einflüsse wirken auf unser Weltbild ein und wir konstruieren dieses ständig neu, passen an, stellen neue Verbindungen zwischen alt und neu her etc. Und das alles, damit wir unsere Wahrheit so lange wie möglich aufrecht halten können. 

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