Begegnung mit dem Widerspruch

Jean Piaget (1896-1980, schweiz. Erziehungswissenschaftler und Verhaltensforscher) sagte: Die Intelligenz organisiert die Welt, indem sie sich selbst organisiert. 

Die Theorie hinter Piagets These nennt sich kognitive Adaption und vereint die Aspekte der Assimilation, der Akkommodation und der Äquilibration. Grundsätzlich nehmen wir die Einflüsse der Umwelt nicht nur wahr; diese Einflüsse wirken auf unser Weltbild ein und wir konstruieren dieses ständig neu, passen an, stellen neue Verbindungen zwischen alt und neu her etc. Und das alles, damit wir unsere Wahrheit so lange wie möglich aufrecht halten können. 

Doch von Zeit zu Zeit geschieht es, dass wir vor einem Widerspruch stehen. Die Welt scheint nicht mehr die zu sein, in der wir zu sein glaubten. Ein Sachverhalt, der nicht in unser Weltbild zu passen scheint, den wir uns nicht auf Anhieb erklären können, der in unserer Wahrnehmung verstrickt ist und sich nicht lösen lässt. Ein Widerspruch, der uns im Fortkommen hindert, über den wir gedanklich stolpern. Und weil wir nicht weiterkommen, interpretieren wir mehr und mehr in einen Moment rein, als da vielleicht in Wirklichkeit rein sollte (siehe auch Hinter dem Zweifel und Bedingungen haben keine Wirkung). 

Eine andere weit verbreitete Taktik im Umgang mit dem Widerspruch ist, wir gehen gedanklich einen anderen Weg. Wir begegnen dem Widerspruch, sehen ihn an, verstehen ihn nicht, drehen um und gehen einen anderen Weg. Sehr elegant und für den Moment auch effizient, doch früher oder später begegnen wir diesem Widerspruch wieder; es scheint ein Labyrinth zu sein, das eigens für uns erdacht wurde. 

Widersprüche, vor allem die wiederkehrenden, sind Hinweise für uns, die innehabenden Verhaltensmuster zu überdenken. Also nicht den Widerspruch, denn das könnte eine Bedingung sein, sondern unseren Weg zum Widerspruch. Also unser Verhalten, das uns zum Widerspruch brachte. 


Reflexionsfragen zum Widerspruch 

Was geschähe, wenn wir genau dieses Verhaltensmuster zu verstehen versuchen?

Was geschähe, wenn jenseits des Widerspruchs die Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung stecken?

Was geschähe, wenn wir den Weg durch den Widerspruch gehen?


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